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Zeitzeugen – Anna Breitschaft, geb. 1935

Von ihrem Geburtstag, dem 28. Mai 1935, besitzt Anna eine Ausgabe des Wasserburger Anzeigers. Auch heute noch ist sie Zeitungsleserin, und sie schaut häufig Fernsehen. Dass da jetzt wieder „Krieg“ immer an vorderster Stelle steht, findet sie befremdlich.

Im Gespräch mit ihrem Sohn Günther erinnert sie sich an ihre Kinderzeit, auf dem bayerischen Land, nahe der österreichischen Grenze. „Als Kind hast Du den Ernst nicht verstanden“, sagt sie. Aber sie erinnert sich an die vielen Flüchtlinge, die durchs Dorf zogen, „ein fürchterliches Durcheinander“. An die Frau, die ihr totes Kind im Kinderwagen mitzog. An den toten Soldaten, der als Wasserleiche angeschwemmt und tropfend in der Kirche aufgebahrt den Gottesdienst begleitete. Sie spricht von staatlichem Zwang, Kontrolle und gegenseitigem Mistrauen. „Die eigenen Produkte hast Du nicht haben dürfen“. Einen Sack Mehl zur Seite zu schaffen, nicht abzugeben – dafür konnte man „nach Dachau“ kommen. Dabei brauchte man das Mehl zum Tauschen, gegen anderes, als Währung im Laden – „unvorstellbar heute“. Sie fragt sich, wie wir, die wir so an unseren Wohlstand gewohnt sind, mit so einer Mangelwirtschaft umgehen würden. „Mord und Totschlag würde es geben“, meint sie. „Dass Krieg ein Schmarrn ist“, so ihr Fazit. „Das kann man wohl sagen“, bestätigt ihr Sohn.

In der Zeitung am Tag ihrer Geburt findet sich ein Artikel, in dem argumentiert wird, warum „Deutschlands Aufkündigung der Versailler Verbotsklausel und die Bekanntgabe seines Entschlusses, sich selbst die Rüstungsgleichheit zu geben“ sich „wahrscheinlich als der größte Beitrag erweisen“ würde, „der seit dem Kriege im Interesse der europäischen Sicherheit und des Friedens geleistet worden ist“:

Es kam anders.